Fastnacht im Kontext

"Hitler-Maske" von Alfons Arnold <label>© Zunftarchiv der Plätzlerzunft, Andreas Reutter</label> Magnifier medium

Auch einen Tag nach Aschermittwoch hat bekanntermaßen selbst der närrischste aller Narren nichts mehr zu lachen: nach kirchlichem Brauch befindet man sich da nämlich bereits mitten in der Fastenzeit.
Warum man als Narr in der NS-Zeit nichts zu lachen hatte, wurde in der letzten Woche in dem Artikel „Der Narr mit der Hitlermaske“ aus der FAZ berichtet. „Die Kritik an den Herrschenden gehörte immer zu Fasnet.“, wird dort Klaus Müller, der Zunftmeister der Plätzler aus dem ehemals vorderösterreichischen Weingarten zitiert.

Weingartner Plätzler unter dem NS-Regime

Zumindest galt diese Tradition bis mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten diese sich, auch in Weingarten, zu neuen „Karnevalsgruppen“ formierten. 1937 beispielsweise mit der Gründung des „Bund Deutscher Karneval“ und der Massenorganisation „Kraft durch Freude“ (KdF) hielt die nationalsozialistische Gewaltherrschaft auch in der Zunft der Plätzler ein. So berichtet Rüdiger Soldt weiter in dem FAZ-Artikel, dass die Nazis das T aus Fastnacht streichen ließen, „weil die närrischen Feiereien vor der Fastenzeit nichts mehr mit der Theologie zu tun haben sollten.“

Unaufgearbeitete deutsche Historie

Ein unaufgearbeitetes Stück deutscher Historie lagert also in der Tradition der Fastnacht. Eine Reliquie aus jener Zeit befindet sich seit 11 Jahren als Dauerleihgabe im Fasnetsmuseum Weingarten: hierbei handelt es sich um eine, wahrscheinlich 1938 von dem Weingartner Bildhauer Alfons Arnold geschnitzte, Fastnachtsmaske „mit dem typischen Hitler-Scheitel und dem typischen Hitlerbärtchen“. Zu Beginn ein überzeugter Nationalsozialist, schnitzte Arnold die Maske nach einem Einsatz im Konzentrationslager Dachau. Vielleicht aus Verzweiflung, wie Soldt anmerkt. 1939 fiel die Maske einem regimekritischen Plätzler in die Hände, der, so berichtet es die Überlieferung, während des Festzugs im selben Jahr vor dem Rathaus mit dem Ausruf „Sieg Heil!“ provozierte und vermutlich noch den Satz „Der Krieg is doch verlore, bevor ihr ihn überhaupt agfange habt“ hinterher warf. Sprach´s und verschwand in der Menge, ehe ihn die Gestapo schnappen konnte. Seine Identität ist bis heute unbekannt.

Posted on 06. March 2014

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