Wachsen und wachsen lassen

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Alexander Gerst, der erst vor kurzem von seiner sechsmonatigen Mission auf der Raumstation ISS wiederkehrte und mit seinen spektakulären Fotografien aus dem All für allgemeine Begeisterung sorgte, äußerte auch Folgendes über seine Sicht aus dem Weltall auf unseren Planeten: „Nachts sieht die Erdatmosphäre am zerbrechlichsten aus. Ein dünnes Band aus fast Nichts, und doch die Quelle unseres Lebens.“
Dass uns eine derartige (Über-)Sicht auf die Erde und ihre Ressourcen fehlt, mag ein Grund für die heutige Umweltsituation sein. Die menschliche Fehlannahme einer scheinbar schier endlosen Quelle natürlicher Ressourcen führte über die Jahre dazu, dass bis zu ¾ der Wälder auf unserem Planeten gerodet oder beschädigt wurden. In Folge dessen war ein enormer Anstieg an freigesetztem Kohlendioxid zu beobachten, der mit der Erhöhung der Erderwärmung und dem Rückgang der Ozonschicht in Verbindung steht. Forscher haben entdeckt, dass Bäume eine wichtige Rolle in der Aufnahme von schädlichem Kohlendioxid einnehmen. Sie filtern bis zu 25 Prozent des gesamten, durch den Menschen produzierten Kohlendioxids.
In einem interessanten Artikel in der New York Times über aktuelle Beispiele aus Costa Rica und Brasilien wird das Thema der Rodung von Regenwäldern im Amazonasgebiet und ihren Folgen aufgegriffen. Dabei berichtet die New York Times unter anderem darüber, dass die Regierungen jener Regenwaldregionen durch das Engagement von Naturschützern und einem wachsenden Bewusstsein in der Bevölkerung für Nachhaltigkeit Maßnahmen ergriffen haben, um die Abholzung der Regenwälder zu verlangsamen. Zugleich entwickelten jene Regierungen Ideen über aufwendige Lagermaßnahmen für das umweltschädliche Kohlendioxid.
Anhand eines Beispiels einer ehemals gerodeten Waldfläche in Cuatro Rios, einem Regenwaldgebiet in Costa Rica, erscheint eine derart aufwendige Investition in Kohlendioxidspeichersysteme allerdings obsolet. Nach dem Rückgang der Nachfrage von Rind auf dem Markt wurde jene einst gerodete Waldfläche in Cuatro Rios nicht weiter behandelt. Der Natur wurde also wieder Raum zur freien Entfaltung gegeben. Das Erstaunliche an dem Regenwald in Cuatro Rios heute ist der Eindruck eines unberührten, scheinbar niemals abgeholzten Waldes. Eine derartige Regeneration entwickelte sich also innerhalb eines Zeitraums von gerade einmal knapp 50 Jahren. Diese faszinierende Beobachtung ist ein Grund dafür, warum Cuatro Rios heute für Forscher so interessant ist.
Der Artikel zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, in unsere Wälder zu investieren. Dabei sind Zeit und Raum die entscheidenden Faktoren, damit Bäume wieder wachsen und erneut ihre wichtige Rolle im Kreislauf der Natur einnehmen können.

Geschrieben am 22. Januar 2015