Das ist vielleicht unmöglich, den deutschen Wald komplett bedeutungslos zu malen

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Daniel Richter im Interview mit dem Waldmagazin über sein Verhältnis zum Wald, dessen Position als emotionale Projektionsfläche und einer Möglichkeit für die Malerei.




In der aktuellen Ausgabe des Magazins Wald. Die ruhigen Seiten des Lebens ist ein spannendes Interview mit Daniel Richter, einem der international wichtigen zeitgenössischen Vertreter der Malerei abgedruckt. In diesem erzählt Richter von seiner Kindheit im idyllischen Ostholstein, in dem er liebend gern des Nachts mit seinem jüngeren Bruder durch den Wald und die umliegenden Schrebergärten streifte und dabei in Robin-Hood-Manier die Taschen mit Äpfeln und Karotten aus den durchkreuzten Gärten füllte. Es beunruhigte ihn wenig, wenn er sich in den kultivierten Wäldern verlief. „Dann war der Heimweg eben ein wenig länger“, so Richter im Interview. Angst empfand er in den Wäldern seiner Kindheit jedenfalls nicht.
Anders sei die Erfahrung von Städtern. Wenn diese an Wald denken, sei ihre Assoziation meist gefärbt von der Erfahrung des „Unwägbaren, Unbekannten und Unheimlichen“. Ebenso kennt man in der Geschichte wie auch in der Kunstgeschichte die Topoi von Waldeinsamkeit und Kontemplation über die Natur und vor allem den Wald.
In der Frage nach seiner Haltung zum Wald heute scheint Richter sich auf die Position des kritisch reflektierenden Künstlers zurückzuziehen und dabei jegliche emotionale Bindung zum Wald als Refugium der Kontemplation abzulehnen. Möglicherweise zielt allerdings gerade diese kritische Haltung in Richters Auseinandersetzung mit dem Wald als Ort der romantisch übersteigerten Projektion, wie er dies häufig in seinen Gemälden thematisiert darauf ab, sich neu mit dem Wald auseinanderzusetzen. Eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Sujet Wald bedeutet gleichzeitig in der Frage nach dem Indexikalischen des Gemalten die Frage nach dem Medium selbst zu stellen. „Aber ich glaube schon, dass jemand den Wald so malen kann, dass die Absicht des Malens so im Vordergrund steht, dass das, was gemalt wird, in den Hintergrund rückt.“ Eine Chance also, die sich daraus für den Wald und für die Malerei ergebe. Richter selbst allerdings meint in wunderbar punkiger Attitüde, er wäre zu faul dafür.

Auf der Homepage des Wald-Magazins kann man eine kostenlose Leseprobe mit dem Interview mit Daniel Richter herunterladen: http://www.wald.de/magazin/

Geschrieben am 14. Juli 2014