„Großzügigkeit macht reich“

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Claudio Abbado war einer der Großen seiner Zunft. Ein Meister der Feinfühligkeit, wenn es um das Verständnis musikalischer Komplexität ging. Aber auch ein Zuhörer mit Gespür für die sensiblen Zwischentöne in den gewaltigen Sinfonien ewiger Komponisten. Von Beethoven über Debussy, in dem sich ihm die Magie der Musik offenbarte bis hin zu modernen Komponisten wie Luigi Nono oder Stockhausen: der Dirigent Claudio Abbado inszenierte jene Kompositionen mit Sinn für Erneuerung und einer aufgeschlossenen, aktiven Haltung für die Moderne.
Das Motto „Großzügigkeit macht reich“, das er von seinem Großvater mit auf den Weg bekam, war etwas, das ihn im Leben stets begleitete. Wohlmöglich war Großzügigkeit einer der Beweggründe für die Forderung Abbados nach 90.000 Bäumen – anstatt einer Gage –, die im Zuge seines geplanten Comebacks nach 17 Jahren an die Mailänder Scala in Mailand gepflanzt werden sollten. Durch die Vielzahl an Bäumen wäre ein deutlicher ökologischer Nutzen mit dem dadurch vermehrten Co2-Abbau und im Zuge dessen eine Steigerung an Lebensqualität für die Bürger Mailands entstanden. Wie bekannt ist, ist dieses Projekt leider an der Finanzierungsbereitschaft des Mailänder Senats gescheitert. Fragwürdig bleibt die Umkehrung des uneigennützigen Projekts Abbados mit deutlich ökologischem Bewusstsein in ein Projekt mit rein dekorativem Wert. 90.000 Bäume wurden dabei zu einem Feindbild der allgemeinen Parkplatzsituation stilisiert.
Gerne hätten wir mit Claudio Abbado ein Gespräch über Bäume geführt.
Claudio Abbado ist am Montag vergangener Woche im Alter von 80 Jahren in Bologna verstorben.

Geschrieben am 31. Januar 2014