Spaziergang

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Historisch betrachtet ist ein Spaziergang etwas Besonderes. In vordemokratischen Zeiten war dieser eine Beschäftigung für Adlige: Sie spazierten durch den eigenen Park. Erst mit dem Bau öffentlicher Parks und dem Drang, es den „Herrschaften“ gleichzutun, fand der Spaziergang weite Verbreitung. Wobei Spazieren damals weniger als Begriff gebräuchlich war. Der „Müßiggang“ oder das „Flanieren“ trifft die Sache eher – so richtig schnell bewegten sich die Herrschaften gewiss nicht in ihren Parks.... Sonntagsspaziergänge mit der ganzen Familie wurden aber nach und nach geradezu ein „Muss“, ein Ritual in Deutschland. Und in fast jeder Familie lassen sich die unterschiedlichsten Geschichten über die familiären Sonntagsspaziergänge erzählen. Und nicht nur lustige. Denn der Sonntagsspaziergang konnte auch Fürchterliches an sich haben: Kinder wurden zuweilen in zwickende unbequeme Sonntagstracht gesteckt. Das Wehklagen, oder weniger höflich formuliert: Das Quängeln der „lieben Kleinen“ konnte dann höchstens noch durch ein Eis „beim Italiener“ besänftigt werden. Was dann aus dem Sonntagsspaziergang inklusive Quängeln doch wieder eine lohnende Angelegenheit werden ließ.... Heute ist Bewegung an der und in der Natur mehr denn je beliebt. Nicht nur als Ausdruck eines allgemeinen eher sportlichen öffentlchen Lebensideals. Auch schlicht als Flucht vor dem urbanen Stress, Lärm und Schmutz. Aber nicht nur Parks, Fluss- und Seeufer werden „erlaufen“. Wälder sind ein beliebtes Ziel für Spaziergänge. Aber da das Laufen an und für sich, sozusagen nicht mit Ziel, sondern im Sinne von „Der Weg ist das Ziel“ zwar theoretisch in vielerlei Münder, rein praktisch aber doch eher selten vorkommt, lohnt es sich, sich schon beim Aufbruch zum Spaziergang Gedanken darüber zu machen, wo man ankommen möchte. Gastronomien, zumal sogenannte Landgastronomien oder Ausflugslokale genannt, sind natürlich das Erste, was einem einfallen mag. Aber wie wäre es denn mit einem ersten Picknick im Freien? Kleinen Korb gepackt – Decke mitgenommen und dann dauert der Spaziergang auch nicht zu lange. Schließlich will man ja den gefüllt Korb nicht stundenlag mit sich herumtragen.... Wofür ECHTWALD aber einiges für Sie bereithält, vom Wein, den passenden Gläsern, einem Korb zum Füllen mit Leckereien und natürlich eine Picknickdecke. Und zwar eine ausgewachsene, echte, englische, amtliche sozusagen! Ob nun mit Decke und Proviant oder einfach mit Lust und Laune, Kind, Hund und Kegel und weil die Sonne, die laue Luft, der Frühling Sie herauslockt: Gehen Sie an die Luft, bewegen Sie sich wie und wo Sie wollen. Hauptsache mit Freude an der Sache. Und dieser freudige Drang nach Draußen hat selbstverständlich auch in der kulturellen Tradition unseres Landes erfreuliche Spuren hinterlassen. Nicht umsonst wird im Zusammenhang mit einem Osterspaziergang das folgende, mehr als berühmte Gedicht von Johann Wolfgang zu Goethe häufig rezitiert: Vor dem Tor Von Johann Wolfgang zu Goethe. Aus: Faust I Vom Eise befreit sind Strom und Bäche Durch des Frühlings holden, belebenden Blick, Im Tale grünet Hoffnungsglück; Der alte Winter, in seiner Schwäche, Zog sich in rauhe Berge zurück. Von dort her sendet er, fliehend, nur Ohnmächtige Schauer körnigen Eises In Streifen über die grünende Flur. Aber die Sonne duldet kein Weißes, Überall regt sich Bildung und Streben, Alles will sie mit Farben beleben; Doch an Blumen fehlts im Revier, Sie nimmt geputzte Menschen dafür. Kehre dich um, von diesen Höhen Nach der Stadt zurück zu sehen! Aus dem hohlen finstern Tor Dringt ein buntes Gewimmel hervor. Jeder sonnt sich heute so gern. Sie feiern die Auferstehung des Herrn, Denn sie sind selber auferstanden: Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, Aus Handwerks- und Gewerbesbanden, Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, Aus der Straßen quetschender Enge, Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht Sind sie alle ans Licht gebracht. Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge Durch die Gärten und Felder zerschlägt, Wie der Fluß in Breit und Länge So manchen lustigen Nachen bewegt, Und, bis zum Sinken überladen, Entfernt sich dieser letzte Kahn. Selbst von des Berges fernen Pfaden Blinken uns farbige Kleider an. Ich höre schon des Dorfs Getümmel, Hier ist des Volkes wahrer Himmel, Zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

Geschrieben am 12. März 2013